





Mahnmal Halver
Wir schreiben und zeichnen mit Luft und Licht in ewigen Stahl. Von den misshandelten, gequälten und ermordeten Menschen ist fast nichts geblieben. Beinahe flüchtige, schnelle, skizzenhafte Striche – allerdings authentisch am historischen Material orientiert – sind hier am Mahnmal mit nichts außer hoher Energie in den Stahl graviert. Sie sollen erinnern: einerseits ganz konkret durch die Darstellung, andererseits stellvertretend für die vielen namenlosen Opfer des Holocaust, der Shoa.
Aus diesem Grund sind hier nur die Vornamen genannt – Namen, die in Halver konkret gewesen sein mögen. Doch wie viele Menschen mit Namen wie Josef, Gerlinde oder Fritz wurden zu Opfern? Wir wissen es nicht. Die Opfer waren Geistliche, politische Gegner, Homosexuelle, Kranke, Behinderte, Andersgläubige – jeder, der nicht den völkischen Schreihälsen das Wort redete oder mitmachte, oder allein schon eine andere Herkunft hatte, konnte sich nicht sicher sein, nicht umgebracht zu werden. Mit Schuldlegenden und der wahnsinnigen Absicht, einen „reinrassigen Volkskörper“ zu schaffen, schuf man nichts als Millionen Tote und Millionen furchtbarer Schicksale.
Und nach nur 80 Jahren sind sie wieder da – im Westen wie im Osten: Menschen, die anderen Menschen wegen ihrer Herkunft, ihres Aussehens oder ihres Glaubens das Recht absprechen, auf dieser Welt zu sein. Menschen, die sich selbst für etwas Besseres halten, die andere erniedrigen, um selbst größer zu wirken.
Eine ganze Seite des Mahnmals ist einer besonderen Familie aus Halver gewidmet: den Laubingers. Auch sie stehen stellvertretend für die Sinti und Roma, die weit über die Shoa hinaus – bis in die 1970er-Jahre – von deutschen Behörden aufs Übelste behandelt wurden. Wie viel Kultur, wie viel Talent, wie viele Chancen sind mit den Laubingers im KZ Auschwitz-Buchenwald vernichtet worden?
Dieses Mahnmal weist genau auf die Stelle, an der man diese Menschen zum letzten Mal sah und zugleich auf das, was die Opfer von dieser idyllischen Stadt Halver zuletzt wahrgenommen haben. Der Ort hat eine bedrückende Authentizität: die Gleise liegen noch, die Deportation ist fast spürbar. Das Böse hat auch in diese Idylle hineingewirkt und es soll niemals wieder geschehen.
Schau hin und vergiss nicht.
CHRISTOPH SANDKÖTTER
Das Mahnmal Halver ist aus CorTen-Stahl gefertigt. Dieser besondere wetterfeste Baustahl bildet im Laufe der Zeit eine natürliche, dichte Rostpatina, die ihn schützt und gleichzeitig eine lebendige Oberfläche entstehen lässt.
Der Stahlkörper wurde mittels Lasertechnik graviert und durch Walztechnik in Form gebracht. Im Inneren befindet sich eine warmweiße, vergossene Lichtquelle, die die Gravuren besonders in der dunklen Jahreszeit zum Strahlen bringt.
Der Körper des Mahnmals wurde bewusst in der grau-blauen Farbe der sogenannten Walzhaut belassen. Die bearbeiteten Stellen stechen silbrig hervor. So können die Betrachter über einen längeren Zeitraum die Metamorphose des Materials zu einem rotbraunen, homogenen Stahlkörper beobachten. Die Lichtstimmung kann auf die äußere Färbung abgestimmt werden und schafft so eine sich wandelnde, eindringliche Atmosphäre.
Das Umfeld wird seitens der Stadt – mit unserer Unterstützung – zu einem Ort des Verweilens und Nachdenkens gestaltet.